Archive for Juli, 2013

Jubel für Juliane

Freitag, Juli 12th, 2013

Das Ergebnis für das deutsche Team stand bereits fest, aber die gewonnene Medaille zu bekommen, ist dann doch besonders schön: Kräftiger Jubel, insbesondere aus den Reihen der weiblichen Volunteers und Teambegleiter, kam auf, als die Silbermedaille für Juliane aufgerufen wurde. Leider hat der Autor dieser Zeilen, von den Emotionen in dieser Situation anscheinend übermannt, das Foto der Medaillenübergabe komplett verrissen. Aber beim anschließenden “Afternoon Tea” (very british!) war natürlich genug Zeit für Fotos. Unten zwei Exemplare! Gleich geht es noch zur Abschlussparty, einem “Aussie Farewell BBQ Dinner”, und dann ist morgen auch schon wieder Abreise. Schade, die Tage sind wieder einmal extrem schnell vergangen!

Gruppenbild mit Dame mit Medaille: das deutsche Team bei der IOI 2013 (vlnr: Lukas Köbis, Lucas Elbert, Juliane Baldus, Paul Jungeblut).

Gruppenbild mit Dame mit Medaille: das deutsche Team bei der IOI 2013 (vlnr: Lukas, Lucas, Juliane, Paul).

Juliane Baldus mit ihrer Silbermedaille: Herzlichen Glückwunsch!

Juliane mit ihrer Silbermedaille: Herzlichen Glückwunsch!

Das Imperium schlägt zurück

Mittwoch, Juli 10th, 2013

Nach einer spannenden zweiten Klausur steht es praktisch fest: Nach jahrelanger Demütigung durch einen kleinen weißrussischen Programmierer hat China endlich die Macht wieder auf seiner Seite: Gleich die ersten drei Plätze gehen an Teilnehmer aus dem Reich der Mitte (der dritte Platz wird geteilt). Als Gesamtsieger wird also, wenn keine ganz große Überraschung mehr passiert, am Freitag Nachmittag (in Deutschland am Morgen) Lijie Chen geehrt werden.

A propos Überraschung: Leider wurde erst nach ca. zwei Stunden offensichtlich, dass den Teilnehmern zu der gestern Nacht in der GA noch stark umstrittenen Aufgabe “game” zwei unterschiedliche Versionen vorgelegt wurden, nämlich auch die ursprüngliche Version, die sich ja als überraschend einfach zu lösen herausgestellt hatte. Wie eine ganze Reihe anderer Teilnehme hatte auch Juliane diese Version gelesen und ganz richtig als einfach beurteilt, zuerst in Angriff genommen und sich dann gewundert, dass ihre Lösung nur 10 Punkte (von 100) erhielt. Insgesamt verlor sie durch dieses Versehen der Veranstalter ca. 1 Stunde Zeit und vielleicht sogar die nach dem ersten Tag noch in Reichweite liegende Goldmedaille. Bis zur letzten Minute hatten die Teamleiter noch mitgezittert und auf weitere Punkte gehofft (s.u.), aber es sollte nicht sein. Aber auch ihr Silberplatz ist ein großer Erfolg – herzlichen Glückwunsch!

Unter Hochspannung: Die Teamleitungen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland beobachten kurz vor Ende der zweiten Klausur die Ergebnisliste.

Unter Hochspannung: Die Teamleitungen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland beobachten kurz vor Ende der zweiten Klausur die Ergebnisliste.

Problem Set Problems

Mittwoch, Juli 10th, 2013

Zur Zeit läuft die zweite Klausur, etwas mehr als 90 Minuten ist noch Zeit zum Lösen der neuen Aufgaben. Die waren gestern Abend nicht unumstritten. Zwei der drei vorgeschlagenen Aufgaben waren nicht allzu schwer, und die als besonders schwierig eingeplante Aufgabe “game” würde Teilnehmer mit konkretem Wissen über bestimmte Datenstrukturen (range trees) bevorzugen bzw. die Aufgabe zur Implementier-Übung verkommen lassen. Schließlich wurde live während der Beratungen der Teamleiter noch ermittelt, dass relativ einfache Heuristiken auch volle Punktzahl bekommen könnten.

Das für den Wettbewerb letztlich verantwortliche International Scientific Committee schlug dann eine Änderung vor, um die Aufgabe schwieriger und von Vorkenntnissen unabhängiger zu machen. Andererseits schienen die Gastgeber, insbesondere nach den Schwierigkeiten des ersten Tages, deutlich Angst vor “last minute changes” zu haben. Was tun? Eine als Ersatz vorgeschlagene Aufgabe enthielt auch eher ein Standardproblem, und so war es nicht überraschend, dass sich ein Land fand, in dessen Vorbereitungen eine identische Aufgabe bereits genutzt worden war.

Letztlich entschied die GA, nach langer Diskussion, erneut konservativ: Der vorgeschlagene problem set wurde übernommen, mit den vorgeschlagenen Änderungen an “game”. Aber das war wohl gut so, denn weitere Ersatzaufgaben wurden als einfach eingeschätzt, und auch so gibt es mittlerweile den ersten “full score” des zweiten Tages, durch Lijie Chen aus China. Juliane hat die Aufgabe “cave” gelöst und liegt derzeit auf Silberkurs – aber vielleicht klappt es noch mit einer weiteren Aufgabe, und dann kann sie wieder weit vorne dabei sein. Die anderen Teilnehmer sind aktuell außerhalb der Medaillenränge – aber es sind ja noch 80 Minuten – 10 Minuten habe ich also für den Post gebraucht 🙂

Let the Sunshine In!

Mittwoch, Juli 10th, 2013

Zugegeben: es ist eher unwahrscheinlich, dass die IOI-Teilnehmer das Musical “Hair” kennen – deshalb wenigstens ein Link, ausnahmsweise mal nicht zu YouTube. Jede Menge Sunshine war aber beim ersten Ausflugstag der IOI 2013 dennoch angesagt, und das ganz wetterunabhängig, denn es ging zur Sunshine Coast am Pazifik, nördlich von Brisbane. Der Teamleiter musste wegen Arbeitsüberhang die Exkursion leider absagen, aber Deputy Fabian Gundlach hat das Team natürlich bestens betreut. Perfekten Sunshine gab es zwar nicht, zumindest nicht den ganzen Tag lang. Aber dafür, dass wir uns hier im Winter befinden, war es doch sehr akzeptabel und warm genug für einen Strandaufenhalt.

Let the sun shine on: Bennett, Lucas, Juliane, Lukas und Paul (vlnr)

Let the sun shine upon: Bennett, Lucas, Juliane, Lukas und Paul (vlnr)

Außer Strand gab es natürlich auch einen Lernanteil, “Sachkunde” sozusagen, in der “Underwater World”, mit einem Unterwassergang und entsprechendem Einblick in die submarine Fauna der Pazifikküste. Sehr nett die kleinen blauen Kameraden, die mit königsblauer Füllertinte eingefärbt zu sein scheinen – wobei das dann im ozeanischen Salzwasser schon “permanent ink” sein müsste.

Feel blue? Be blue! Seesterne in der Underwater World.

Feel blue? Be blue! Seesterne in der Underwater World.

Kräht der Hahn früh auf dem Mist, …

Montag, Juli 8th, 2013

… dann bleibt das Ergebnis, wie es ist: Nach ca. drei Stunden Diskussion mit überwiegend vernünftigen Beiträgen hat die GA (General Assembly) der IOI 2013 entschieden, das Auswertungsergebnis des ersten Wettbewerbstages unverändert anzuerkennen. Und das, obwohl die Verantwortlichen durchaus bekannten, dass der Verlauf der Klausur “not perfectly fair” war. Dabei hat der faktische Ausfalls der Feedback-Funktion in verschiedener Weise Einfluss auf das Ergebnis gehabt: Die Reihenfolge der Bearbeitung der Aufgaben spielte eine Rolle (was nicht der Fall sein sollte), und Teilnehmer, die zuerst gründlich nachdenken, bevor sie Lösungen abschicken, bekamen weniger Feedback als die “schnellen Submitter”.

Vermutlich war die Angst bei vielen zu groß, mit einer niedrigeren Gewichtung des heutigen Ergebnisses einen Präzedenzfall zu setzen. Am Ende stimmten 36 Delegationen für die Beibehaltung der Punktwertung, während 32 Delegationen sich dem deutschen Vorschlag anschlossen, das Resultat des heutigen Tages nur mit 80% in die Gesamtwertung einfließen zu lassen (und das des zweiten Tages dann mit 120%).

Trotz der “Abstimmungsniederlage” kann das deutsche Team mit den Ergebnissen nicht unzufrieden sein. Juliane liegt auf einem sehr guten 12. Rang, der im Gesamtklassement eine Goldmedaille bedeuten würde, und auch die deutschen Jungs, insbesondere Paul und Lukas, haben noch Chancen auf Medaillen.

Eine Frage der Fairness

Montag, Juli 8th, 2013

Schon während der ersten IOI-Klausur konnte man merken, dass es im UQ Center, der großen Halle der University of Queensland, in der normalerweise u.a. Basketball gespielt wird, Schwierigkeiten gab. Dort finden die Klausuren statt, über 300 Laptops stehen für die Teilnehmer bereit und natürlich auch die Server, die schon während der Klausur alle eingereichten Lösungen live auswerten, damit die Teilnehmer direkt das seit einige Jahren gewohnte “full feedback” bekommen.

Doch als das Live-Scoreboard nach etwa 1,5 Stunden immer nur die gleichen Ergebnisse anzeigte und teilweise ganz leer blieb, wurde deutlich, was auch im Livestream nicht zu verhehlen war: Das Wettbewerbssystem war vollkommen überlastet, und die Contestants bekamen so gut wie keine Reaktion auf ihre Einreichungen mehr. Eine der Aufgaben (“Art Class”, zum Thema Datenklassifizierung) war aber besonders darauf angewiesen, dass man zumindest öfter einsenden und vom System entsprechende Rückmeldungen zum Erfolg der Lösung bekommen konnte.

Wie kann nun damit umgegangen werden? Was ist fair: Das Ergebnis dieser Klausur komplett zu streichen, nur das der Aufgabe “Art Class” zu streichen, diese Klausur in der Gesamtwertung unterproportional zu gewichten, … ? Gleich treffen sich die Teamleiter, um mit den Verantwortlichen die Lage zu besprechen – das wird spannend.

Live aus Brisbane!

Montag, Juli 8th, 2013

Für den ersten Tag kommt dieser Hinweis wohl bereits zu spät, denn in Deutschland ist es gerade 02:00 Uhr in der Nacht. Sollte aber doch noch jemand wach sein, lässt sich der Wettbewerb live verfolgen: Zum einen gibt es das aus den letzten Jahren schon bekannte Scoreboard, zum anderen eine komplette Website mit Berichten und Informationen und insbesondere einem Livestream, bei dem der niederländische Teamleiter Kim Schrijvers vom Verlauf der Klausuren und sicher auch anderen Dingen berichtet. Viel Spaß!